Der Patient als Ware

Immer mehr Krankenhäuser in Deutschland werden von privaten Investoren betrieben. Die öffentlichen Kassen scheinen leer zu sein. In die Städtischen Krankenhäuser haben die Kommunen bzw. jeweiligen Träger manchmal seit Jahren nicht investiert. Die Übernahme der Häuser durch private Betreiber scheint das Problem zu lösen.  Die Kliniken werden mit neuen Geräten ausgestattet. Es weht der Wind der freien Wirtschaft in den besser ausgestatteten Kliniken. Der Träger kann sich die Investitionen sparen. Im Gegenzug verkauft er das Krankenhaus für „kleines Geld“ an den Investor, verlangt allerdings Zusicherungen bzgl. Investitionen und bzgl. des Erhalts des Standorts sowie der Arbeitsplätze. Nach jahrelangen Verlustphasen schreiben die Häuser plötzlich schwarze Zahlen und sind damit profitabel.

Doch es gibt auch eine andere Seite der Medaille. Die private Krankenhausführung spricht dann vom Patientendurchsatz. Der einzelne Patient wird als Cash-Cow angesehen. Es ist genau festgelegt, wie viele Patienten ein Arzt und auch ein Pfleger zu versorgen hat.

Als Folge werden Patienten nicht optimal versorgt. Sie bleiben ohne Essen, da sie das zur Verfügung gestellte Essen nicht selbständig aufessen können. Es wird sogar zugelassen, dass Patienten die angeordneten Medikamente nicht einnehmen. Die Ärzte scheinen drastisch überarbeitet zu sein und verlassen die Kliniken aufgrund der derzeit vorhandenen Arbeitsbedingungen. Je höher die Arbeitsbelastung desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass in den Kliniken Fehler passieren.

Die möglichen Fehler betreffen keine bürokratischen Zahlendreher, die mit einem neuen Ausdruck behoben werden können. Es geht hierbei um Menschenleben. Jede Fehlbehandlung, jede Fehldiagnose oder auch jede Diagnose, die zu spät gemacht wird, kann jeweils den betreffenden Patienten das Leben kosten.

Die skandinavischen Länder und die Schweiz profitieren hingegen von dem Zulauf der in Deutschland gut ausgebildeten Fachkräfte, die nicht nur wegen der höheren Bezahlung sondern auch wegen der besseren Arbeitsbedingungen sich für eine Tätigkeit im Ausland entscheiden.

In dem hier verlinkten ZDF-Beitrag aus dem Jahr 2010 wird über die Privatisierung der Universitätsklinik Marburg-Giessen berichtet. Die Universitätsklinik wurde vor einigen Jahren von der Rhön Kliniken Gruppe übernommen.

Die angehörigen ehemaliger Patienten, die inzwischen verstorben sind, berichten davon, dass ihnen vom Personal empfohlen wurde, sich um die im Krankenhaus liegenden Angehörigen selbständig zu kümmern.

Die angehörigen hoffen, dass sie selbst in Würde sterben dürfen und die Dienstleistungen der Universitätsklinik nicht in Anspruch nehmen müssen.

Die ehemaligen Ärzte der Kliniken berichten von der rein wirtschaftlichen Betrachtung der Patienten seitens der Klinikführung. Niedergelassene Ärzte der Umgebung berichten, dass sie ihre Patienten nur in äußersten Notfällen an die Klinik überweisen.

Die Klinik selbst spricht von bedauerlichen Einzellfällen, deren gerichtliche Klärung noch aussteht, weswegen sie sich zu den Vorfällen nicht äußert.

Meines Erachtens treffen bei der Krankenversorgung Interessenkonflikte verschiedner Gruppen von Menschen aufeinander, die nicht vereinbar sind. Auf der einen Seite sind die Krankenkassen leer. Das Krankensystem ist in der jetzigen Form nur schwer finanzierbar, da evtl. zu teuer oder aber wird das Geld in den teuren Verwaltungen und in der Bürokratie verpulvert. Die Arbeitnehmer können sich die Krankenversicherung in der heutigen Beitragsform eigentlich nicht mehr leisten.

 
Auf der anderen Seite, wer ins Krankenhaus kommt, erwartet, dass die Ärzte alles Menschen mögliche tun um den Patienten zu retten. Wie teuer die Maximal-Therapie ist, ist dabei egal.

Dann gibt es noch die Besserverdiener, die sich den Maximalbeitrag der Krankenkasse leisten können. Allerdings wechseln sie lieber zu der privaten Kranken-Versicherung, weil sie dann von den niedergelassenen Ärzten besser behandelt werden und einen Termin viel früher bekommen.

Meines Erachtens fehlen genau die privat versicherten Leute der gesetzlichen Versicherung. Wären die gut verdienenden Leute ebenfalls in der gesetzlichen Versicherung pflichtversichert und könnten sie zusätzlich eine private Zusatzversicherung abschließen, hätten die gesetzlichen Krankenkassen mehr Spielraum. Der Kostendruck auf dem Gesundheitssystem wäre nicht so groß. Trotz der immer älter werdenden Bevölkerung könnte das bisherige Versorgungssystem bestehen bleiben…

Wie ist Eure Meinung? Was haltet ihr von dem ZDF-Beitrag?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *