Wie wird man Opfer beim Kapitalanlegen?

Gestern habe ich teilweise die Sendung HartAberFair im Fernsehn gesehen. Berichtet wurde von Kapitalanlegern, die ihr Geld aufgrund einer Beratung einer Bank oder eines Finanzberaters angelegt und verloren haben.

Die Opfer haben meist einen Betrag aus einer auslaufenden Lebensversicherung bzw. freie Liquidität sicher anlegen wollen. Die Vorgabe war allerdings auch, dass man mehr Rendite als bei einem Sparbuch erzielen wollte und dabei manchmal der steuerliche Aspekt nicht zu kurz kommen sollte.

Den Anlegern wurde nach einer meist kurzen Beratung bespielsweise ein Filmfonds oder ähnliches „angedreht“.

Die geprellten Anleger pochen darauf, dass sie eine sichere Anlage wg. der Alterssicherung erhalten wollten. Die Vertreter der Banken und Finanzvertriebe haben die Geldgier der Anleger in den Vordergrund gestellt. Die Berater hätten sich nichts zu Schulden kommen lassen. Auch wenn einer 61jährigen eine Kapitalanlage angedreht wurde, von der diese erst mit 91 Jahren profitieren könnte.

Die Anwälte der betroffenen haben natürlich die Provisionsabhängigkeit der Berater in den Vordergrund gestellt. Wer berät schon objektiv, wenn man in der Unterschrift des Kunden eine 2.000 Euro Provision sieht?

Wo liegt die Wahrheit? Wahrscheinlich irgendwo dazwischen.

Wer beim Autokauf 5 Autohäuser abfährt, um sich das best mögliche Preis-Leistungs-Verhältnis zu sichern und bei einer gleichwertigen Kapitalanlage einfach den Worten des Beraters vertraut, den trifft sicherlich eine Teilschuld.

Wer eine höhere Rendite als die Tageszinsrendite erzielen möchte und dabei die Sicherheit einer Spareinlage fordert und sich mit dem Angebot nicht beschäftigt, den trifft sicherlich auch eine Teilschuld.

Wer schützt allerdings die Privatleute, die das ganze Kapitalanlagezeugs nicht verstehen, von den geschulten Verkäufern, die auf den Verkauf eines bestimmten Produkts getrimmt werden und für die Ablieferung bestimmter Zahlen Verantwortung tragen?

Sind die Privatanleger im Gegenzug bereit für eine objektive Beratung, bei der der Berater von der Provisionserzielung nicht getrieben wird zu bezahlen? Wieviel soll eine derartige Beratung kosten?

Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, dann sehen die Betroffenen, dass eine unabhängige Beratung, die sie selbst bezahlt hätten, eine sehr gute alternative zum Totalverlust ist. Die 80 oder 200 Euro wären richtig gut angelegt.

Ein weiterer Aspekt ist sicherlich, dass sich die Leute um eine Anlageberatung nicht reißen. Sie werden in der Bank von den Verkäufern angesprochen, weil auf ihrem Girokonto 10.000 Euro herumliegen. Sie werden von irgendwelchen Leuten aus dem Verwandtenkreis angesprochen, die über Freundschaften oder Verwandtschaftsverhältnisse mitgekriegt haben, dass bei einer Person eine Lebensversicherung etc. ausgezahlt wurde und man den Leuten das zur Verfügung stehende Geld abknüpfen könnte.

Im Grunde genommen muss man sich bewußt sein, dass die ganze Welt ungerecht ist. Man ist sein eigener Finanzbuchhalter. Es wird einem nichts geschenkt. Daher muss man für sich selbst ein paar einfache Regeln beachten:

1. Regel: Darauf achten, dass man dauerhaft nicht mehr ausgibt als man einnimmt.

2. Regel: Mit jeder Kapitalanlage, die eine höhere Rendite erzielt als die Bundesbank-Tages-Verzinsung, ist auch ein Risiko oder eine Einschränkung verbunden. Die Einschränkung und/oder das Risiko wird in Form einer höheren Verzinsung von der Gegenseite bezahlt.

Zum Beispiel bietet derzeit die Postbank zwei gleichwertige Sparbücher. „Postbank Sparen 3000“ aus der Postbankfiliale und „Postbank SparCard 3000 direkt“, was nur über das Internet erhältlich ist. Für das Postbanksparbuch bietet die Postbank derzeit 0,4% bis 0,5% Verzinsung pro Jahr. Für das Produkt, was nur im Internet abgeschlossen werden kann, bietet die Postbank eine Verzinsung von 3,0% pro Jahr. Der Kunde erhält einen Zinsaufschlag von 2,6% dafür, dass er sich nur auf der Seite verständigt und den Finanzberater nicht inanspruch nimmt. Die Mehr-Rendite erhält man allerdings nicht umsonst. Man muss sich um sein Zeugs selbst kümmern….

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