Kinofilm: Der Junge muss an die frische Luft

Der Trailer zum Film „Der Junge muss an die frische Luft.

Ruhrpott 1972. Der pummelige, 9-jährige Hans-Peter wächst auf in der Geborgenheit seiner fröhlichen und feierwütigen Verwandtschaft. Sein großes Talent, andere zum Lachen zu bringen, trainiert er täglich im Krämerladen seiner Oma Änne. Aber leider ist nicht alles rosig. Dunkle Schatten legen sich auf den Alltag des Jungen, als seine Mutter nach einer Operation immer bedrückter wird. Für Hans-Peter ein Ansporn, seine komödiantische Begabung immer weiter zu perfektionieren.

Laut verschiedenen Medien haben diesen Film in den ersten sechs Tagen nach Kino-Start ca. 675.000 Kinobesucher im deutschsprachigem Raum gesehen. Meiner Meinung zu Recht. Ich habe den Film ebenfalls gesehen.

Der Film zeichnet Szenen aus der Kindheit von Hape (Hans Peter) Kerkeling. Viele Zuschauer kennen den etwas übergewichtigen Hape Kerkeling aus dem Fernsehen. Mit der Witzfigur Horst Schlemmer ist er mit vielen witzigen Szenen vielen ein Begriff. Seine Kindheit hat Hape Kerkeling in einem Buch niedergeschrieben, dass als Grundlange für die Verfilmung diente und die witzigen Zeiten aber auch die Tragödie im Leben von Herrn Kerkeling beschreibt.

Der junge Hape Kerkeling wird von einem Jungen aus dem Ruhrpott gespielt. Im typischen Ruhrpott-Slang wird die ein oder andere Kundin im Geschäft seiner Oma nachgemacht. Die in den 70ern angesagten Musikstücke werden nachgesungen und der Karneval wird gebührend gefeiert.

Das traurige ist, dass die Mama von Herrn Kerkeling an schweren Depressionen erkrankte. Sie hatte sich laut Film in ärztliche Behandlung wegen irgendwelcher Atemwegeentzündungen begeben und nach den Behandlungen den Geruchs- und Geschmacksinn verloren. Danach hat sie nichts mehr geschmeckt und nur noch gegessen, weil sie es musste. Der Vater hat im Schichtbetrieb bzw. auf Montagen gearbeitet. Die Mama Kerkeling hat Suizid begangen als Hape Kerkeling 8 Jahre alt war. Das schlimme war, dass sie vor ihrem Freitod nichts gesagt hat. Sie hat Herrn Kerkeling erlaubt Fernsehen zu schauen, solange er wollte, weil ja noch Ferien waren und hat sich schlafen gelegt. Sie hatte ihren jüngsten weder geküsst noch umarmt.  Er hat die Sendungen bis zum Ende geschaut und sich danach mit seinen Plüschtieren zur Mama ins Bett gelegt. Als er in der Nacht merkte, dass es ihr nicht gut geht, hat er versucht sie zu wecken und wachzurütteln. Als es nicht funktionierte hat er daneben verstört gelegen bis der Vater von der Schicht kam und ärztliche Hilfe herbeiholte.

Herr Kerkeling kann sich nicht verzeihen, dass er nicht geschaltet hätte und die Polizei nicht direkt angerufen hätte. Allerdings ist seine Reaktion für einen 8jährigen verständlich. Wir haben selbst ein Kind in seinem damaligen Alter und können manchmal nachvollziehen, dass es in bestimmten Situationen für ein Kind schwierig ist, klaren Kopf zu bewahren und im wichtigen Moment entsprechend zu reagieren. Zudem kann die Zeit nicht zurückgedreht werden …

 Der Film ist nicht nur traurig, es gibt viele Momente in denen Herr Kerkeling seine Mutter aufheitert. Er ist der einzige, der sie zum Lachen bringt. Er ahmt viele Figuren nach und zeigt dort seine Talente. In einem Schul-Theaterstück ergattert er am eine kleine Rolle, die er mit Bravour spielt. Die Verkleidung erinnert sehr an den vielen bekannten Horst Schlemmer. 

Meines Erachtens ist die Verfilmung der Kindheit von Herrn Kerkeling ein sehr gelungener und sehenswerter Film. Auch wenn in ca. 2 Stunden nicht die gesamte Kindheit von Herrn Kerkeling verfilmt werden kann, wurden denke ich viele außergewöhnliche aber auch tragische Momente dargestellt.

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